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Die Situation
...behinderter Kinder in Perú

Die Armut in der Andenregion wirkt sich vor allem nachteilig für diejenigen aus, die an erster Stelle ein Anrecht auf Hilfe und Unterstützung hätten: behinderte Kinder.

Der Staat, ökonomisch durch Korruption und Misswirtschaft über Jahre hinweg geschwächt, trägt kaum zur Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Kinder bei, in denen er überdies „unproduktive Mitglieder“ der Gesellschaft sieht, in die zu „investieren“ es nicht lohnt. Zwar sind staatliche Kindergärten und Schulen verpflichtet, Kinder mit leichter bis mittelschwerer Behinderung aufzunehmen ebenso wie es für Kinder mit schweren und Mehrfachbehinderungen Sonderschulen gibt, allerdings gilt dies vor allem für größere Städte in Küstennähe und nur bedingt für die Andenregion, in der diese Kinder nicht die ihnen gebührende Beachtung finden.

Besonders in den Anden sehen viele Peruaner in behinderten Menschen immer noch eine „Strafe Gottes“ und man trifft auch heute noch auf den Aberglauben, dass die Geburt eines behinderten Kindes z.B. den Regen vertreibt und zu Missernten führt. Diese Vorstellung spiegelt sich auch in dem Verhalten „normaler“ Kinder wieder, die mit Behinderten in Kontakt treten und ihnen gegenüber physische (Aggressivitäten wie Schlagen) und psychische (Beschimpfungen wie „Arsch“, Schwachkopf, Idioten, Mongolen) Gewalt anwenden. Von daher ist es verständlich, wenn Eltern ihr behindertes Kind lieber aus Scham verstecken oder es auch überbehüten aus Angst, Nachbarn oder Fremde könnten sich über sie lustig machen oder sie gar zu Außenseitern abstempeln.

Auch die bis vor wenigen Jahren offiziell übliche Qualifizierung dieser Kinder als „ninos minosvalidos“, als „minderwertige Kinder“, legt nahe, dass ihnen die Menschenwürde nicht als selbstverständliches Recht zuerkannt wurde. Heute hat sich dies glücklicherweise geändert: man spricht von „ninos especiales“, von besonderen Kindern.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Errichtung des Erziehungszentrums – gemessen an peruanischen Verhältnissen - eine reale Verbesserung der Bildungs- und Erziehungsbedingungen behinderter Kinder darstellt. Allerdings besteht immer noch eine erhebliche Diskrepanz zu deutschen Verhältnissen, denn eine Differenzierung nach unterschiedlichen Behinderungen (geistige Retardierung, Epilepsie, Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivität, Seh- und Hörprobleme, Sprachschwierigkeiten, motorische Probleme) gibt es nicht und ist in Puquio auch in Zukunft nicht zu erwarten.